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Auf der Haut ist Aloe Vera vor allem als Feuchtigkeitsspender gut untersucht: Kleine Studien zeigen, dass Cremes mit Aloe-Extrakt den Wassergehalt der obersten Hautschicht erhöhen können. Für medizinische Anwendungen wie Wunden, Verbrennungen, Schuppenflechte oder Akne ist die Studienlage dagegen dünn und oft von geringer Qualität. Die Wirkung von Aloe auf der Haut ist also vor allem eine pflegende und keine therapeutische.
In diesem Beitrag ordnen wir ein, was Studien zu Aloe auf der Haut tatsächlich untersucht haben, wie du die Qualität einer Studie selbst einschätzen kannst und warum Kosmetik andere Dinge versprechen darf als ein Arzneimittel.
Kurz gesagt
- Das Gel aus dem Aloe-Blatt besteht laut DermNet zu 99 Prozent aus Wasser, der Rest sind Zucker, Mineralstoffe, Enzyme und organische Säuren.
- In einer italienischen Studie mit 20 Erwachsenen verbesserte eine Creme mit 10 Prozent Aloe-Extrakt im Vergleich zu einer Creme ohne Aloe die Feuchtigkeit der Haut.
- Ein Cochrane-Review fand keine ausreichenden Belege dafür, dass Aloe-Präparate bei akuten oder chronischen Wunden helfen.
- Für Akne, Schuppenflechte und andere Hauterkrankungen gibt es nur wenige kleine Studien, die keine verlässliche Aussage erlauben.
- Kosmetik darf pflegen, schützen und das Hautgefühl verbessern, aber nicht versprechen, Krankheiten zu behandeln.
Was steckt im Aloe-Gel, das auf die Haut kommt?
Aloe-Gel ist das klare, schleimige Gewebe im Inneren des dicken Blattes von Aloe barbadensis Miller. Es dient der Pflanze als Wasserspeicher. Laut dem dermatologischen Portal DermNet besteht es zu 99 Prozent aus Wasser. Das restliche Prozent ist eine Mischung aus gelösten Stoffen, darunter Zucker wie Polysaccharide, Vitamine, Mineralstoffe, Enzyme, Phenolverbindungen und organische Säuren.
Vom Gel zu unterscheiden ist der gelbe Saft direkt unter der Blattrinde. Er enthält Aloin und andere Anthranoide. Für die Hautpflege wird das Gel aus dem Blattinneren verwendet.
Spendet Aloe Vera der Haut wirklich Feuchtigkeit?
Für diese Frage gibt es die besten Daten. Die Haut wird in Studien dazu meist mit zwei Messungen untersucht: Ein Corneometer misst, wie viel Wasser in der Hornschicht, also der obersten Hautschicht, gespeichert ist. Der transepidermale Wasserverlust, kurz TEWL, zeigt, wie viel Wasser durch die Haut verdunstet. Ein niedrigerer Wert spricht für eine intakte Hautbarriere.
Eine Arbeitsgruppe der Universität Neapel um Sonia Laneri hat 2020 in der Fachzeitschrift Natural Product Communications eine solche Studie veröffentlicht. 20 gesunde Erwachsene zwischen 20 und 65 Jahren trugen eine Creme mit 10 Prozent Aloe-barbadensis-Extrakt oder eine Vergleichscreme ohne Aloe im Gesicht auf. Mit der Aloe-Creme war der Wassergehalt der Hornschicht deutlich höher, und der Wasserverlust über die Haut war geringer. Die Autorinnen und Autoren berichten außerdem von einer besseren Festigkeit und Elastizität.
Das passt zum Alltagseindruck vieler Menschen, die Aloe-Produkte verwenden. Die Studie ist allerdings klein, und Ergebnisse aus einer einzelnen Untersuchung mit einer bestimmten Rezeptur lassen sich nicht auf jedes Aloe-Produkt übertragen.
Was sagen Studien zu Wunden, Verbrennungen und Hauterkrankungen?
Hier ist die Lage deutlich unsicherer. Die Tabelle fasst zusammen, was das US-amerikanische National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH) und DermNet zu den wichtigsten Einsatzgebieten schreiben.
| Bereich | Was untersucht wurde | Einschätzung der Quellen |
|---|---|---|
| Feuchtigkeit und Hautbarriere | Cremes mit Aloe-Extrakt im Vergleich zu Cremes ohne Aloe | kleine Studien mit positiven Ergebnissen |
| Akute und chronische Wunden | Aloe-Präparate auf Wunden | laut Cochrane-Review, zitiert bei DermNet, keine ausreichenden Belege |
| Verbrennungen | Aloe-Gel auf leichten Verbrennungen | laut NCCIH Hinweise aus klinischer Forschung, Angaben zu Umfang und Qualität der Studien fehlen dort |
| Akne | Aloe-Gel zusätzlich zu anderen Aknebehandlungen | laut NCCIH nur zwei kleine Studien |
| Schuppenflechte und Lichen planus | Aloe-Zubereitungen auf der Haut oder Schleimhaut | laut NCCIH nur wenig Forschung |
| Neurodermitis | Aloe auf ekzematöser Haut | laut NCCIH nicht genug verlässliche Daten |
DermNet weist bei mehreren Cochrane-Übersichten auf eine geringe methodische Qualität der eingeschlossenen Studien hin und rät, die Ergebnisse vorsichtig zu interpretieren. Für dich heißt das: Aloe ist eine angenehme Pflegezutat. Bei Wunden, Verbrennungen und Hauterkrankungen ist sie kein Ersatz für eine ärztliche Behandlung.
Wie erkennst du, ob eine Studie aussagekräftig ist?
Viele Werbeaussagen berufen sich auf Studien. Mit ein paar Fragen kannst du selbst einschätzen, wie viel eine Untersuchung aussagt:
- Wie viele Menschen haben teilgenommen? Ergebnisse mit 20 Personen sind ein Hinweis, aber noch kein Beweis.
- Gab es eine Vergleichsgruppe? Erst der Vergleich mit einer Creme ohne Aloe zeigt, ob der Effekt von der Aloe kommt oder von der Creme an sich.
- Wussten die Teilnehmenden, was sie auftragen? Bei Hautgefühl und Aussehen spielt die Erwartung eine große Rolle.
- Wurde gemessen oder nur gefragt? Ein Corneometer liefert objektivere Werte als eine Umfrage zur Zufriedenheit.
- Wurde am Menschen oder im Labor geforscht? Ergebnisse an Zellkulturen oder Tieren lassen sich nicht direkt auf deine Haut übertragen.
- Wer hat die Studie bezahlt? Herstellerstudien sind nicht automatisch falsch, sollten aber durch unabhängige Untersuchungen bestätigt werden.
Übersichtsarbeiten wie die der Cochrane Collaboration fassen viele Einzelstudien zusammen und bewerten ihre Qualität. Sie sind deshalb meist verlässlicher als eine einzelne Studie.
Was darf Kosmetik versprechen und was nicht?
Ein kosmetisches Mittel ist nach EU-Recht ein Produkt, das äußerlich angewendet wird, um die Haut zu reinigen, zu pflegen, zu schützen, zu parfümieren oder ihr Aussehen zu verändern. Werbeaussagen für Kosmetik müssen nach der Verordnung (EU) Nr. 655/2013 bestimmten gemeinsamen Kriterien entsprechen. Dazu gehört, dass sie wahr, belegbar und redlich sind. Aussagen wie „spendet Feuchtigkeit“ oder „die Haut fühlt sich glatter an“ sind typische kosmetische Versprechen, die ein Hersteller mit Tests belegen muss.
Eine Creme darf dagegen nicht behaupten, eine Krankheit zu behandeln, zu lindern oder zu verhindern. Solche Aussagen sind Arzneimitteln vorbehalten, die ein Zulassungsverfahren mit klinischen Studien durchlaufen. Wenn ein Aloe-Produkt mit Versprechen zur Behandlung von Neurodermitis, Schuppenflechte oder Wunden beworben wird, ist Skepsis angebracht. Ergebnisse von Anwendungstests nennen seriöse Anbieter mit dem Zusatz, dass es sich um Herstellerangaben handelt, und mit der Zahl der Testpersonen.
Welche Aloe-Pflege ist für den Alltag sinnvoll?
Wenn du die feuchtigkeitsspendende Wirkung von Aloe nutzen möchtest, ist ein Produkt mit hohem Aloe-Anteil eine gute Wahl. Das Aloe Vera Moisturising Concentrated Gel von LR enthält laut Herstellerangaben 90 Prozent Aloe-Vera-Gel und eignet sich als leichte Feuchtigkeitspflege für Gesicht und Körper. Zehn konkrete Ideen dafür findest du im Artikel LR Aloe Vera Gel-Konzentrat: 10 Anwendungen im Alltag. Wie du den Aloe-Anteil eines Produkts selbst einschätzt, zeigt unser Ratgeber Aloe-Anteil in Pflegeprodukten richtig lesen.
Das Gel findest du hier mit unserer Beschreibung und dem Link zum offiziellen LR-Shop:
Weitere Produkte findest du in unserer Kategorie Aloe Vera Pflege.
Ist Aloe Vera auf der Haut gut verträglich?
Meist ja. Das NCCIH beschreibt Aloe-Gel auf der Haut als allgemein gut verträglich, berichtet aber von gelegentlichem Brennen, Juckreiz, Ausschlag und Ekzemen. DermNet nennt eine Allergie gegen Aloe oder gegen Liliengewächse wie Tulpen und Lilien als Grund, auf Aloe zu verzichten. Wenn du zu Allergien neigst, testest du ein neues Produkt zuerst einige Tage an einer kleinen Stelle.
Wann solltest du ärztlichen Rat einholen?
Geh zur Ärztin oder zum Arzt, wenn eine Wunde nach etwa zwei Wochen nicht deutlich besser aussieht, sich rötet, anschwillt, warm wird oder eitert, wenn eine Verbrennung Blasen bildet oder größer als deine Handfläche ist und wenn ein Hautausschlag länger anhält oder stark juckt. Bei chronischen Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte besprichst du jede Pflege, auch pflanzliche, mit deiner Hautarztpraxis.
Häufig gestellte Fragen
Ist Aloe Vera gut für die Haut?
Als Pflegezutat ja. Kleine Studien zeigen, dass Cremes mit Aloe-Extrakt die Feuchtigkeit der Haut verbessern können. Eine Wirkung bei Hauterkrankungen ist nicht belegt.
Hilft Aloe Vera bei Wunden?
Ein Cochrane-Review fand dafür keine ausreichenden Belege. Wunden, die sich nicht bessern, gehören in ärztliche Hände.
Wie schnell wirkt Aloe Vera auf der Haut?
Das kühlende und erfrischende Gefühl spürst du sofort nach dem Auftragen. Für eine besser durchfeuchtete Haut kommt es dagegen auf die regelmäßige Anwendung an.
Ist frisches Aloe-Gel aus der Pflanze besser als ein Produkt?
Nicht unbedingt. Frisches Gel kann Reste des gelben Blattsafts mit Aloin enthalten und verdirbt schnell. Pflegeprodukte sind konserviert und haben eine gleichbleibende Zusammensetzung.
Kann ich Aloe Vera jeden Tag auftragen?
Ja, bei guter Verträglichkeit spricht nichts gegen die tägliche Anwendung. Bei Brennen oder Juckreiz setzt du das Produkt ab.
Quellen
- DermNet: Aloe vera and the skin (englisch)
- NCCIH (National Institutes of Health): Aloe Vera (englisch)
- Laneri S. et al.: Aloe barbadensis – A Plant of Nutricosmetic Interest, Natural Product Communications 2020 (Studienregister der Universität Neapel)
- EUR-Lex: Verordnung (EU) Nr. 655/2013, gemeinsame Kriterien für Werbeaussagen bei kosmetischen Mitteln
Wir sind unabhängige LR-Partner und sprechen nicht für LR Health & Beauty. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
