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Nahrungsergänzungsmittel: Wann sie sinnvoll sind

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Nahrungsergänzungsmittel sind sinnvoll, wenn ein bestimmter Nährstoff über die Ernährung nicht ausreichend aufgenommen wird oder in einer Lebensphase besonders gebraucht wird. Typische Beispiele sind Folsäure bei Kinderwunsch und in der frühen Schwangerschaft, Vitamin B12 bei veganer Ernährung und Vitamin D bei Menschen, die sich selten im Freien aufhalten. Für die meisten gesunden Erwachsenen mit abwechslungsreicher Ernährung sind sie dagegen nicht notwendig.

In diesem Artikel erklären wir, was Nahrungsergänzungsmittel rechtlich sind, für welche Gruppen sie in Deutschland empfohlen werden, wie du ein Etikett und Werbeaussagen liest und wann Vorsicht geboten ist.

Kurz gesagt

  • Nahrungsergänzungsmittel gelten in Deutschland als Lebensmittel und nicht als Arzneimittel, sie werden vor dem Verkauf nicht behördlich auf Wirksamkeit geprüft.
  • Für Frauen mit Kinderwunsch wird in Deutschland eine tägliche Ergänzung von 400 Mikrogramm Folsäure empfohlen.
  • Wer sich vegan ernährt, braucht ein Vitamin-B12-Präparat, weil B12 fast nur in tierischen Lebensmitteln vorkommt.
  • Gesetzliche Höchstmengen gibt es in Deutschland nicht, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gibt aber Empfehlungen für Höchstmengen heraus.
  • Erlaubte Werbeaussagen folgen einem festen Muster wie „trägt zu … bei“ und stehen im EU-Register.

Was sind Nahrungsergänzungsmittel?

Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel, die Nährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe oder Fettsäuren in konzentrierter Form enthalten. Sie werden als Kapseln, Tabletten, Pulver oder Flüssigkeit in abgemessenen Mengen angeboten. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) betont, dass sie nach deutschem Recht als Lebensmittel und nicht als Arzneimittel gelten.

Daraus ergeben sich zwei wichtige Unterschiede zu Medikamenten. Erstens dürfen Nahrungsergänzungsmittel nicht mit einer medizinischen Wirkung beworben werden, also etwa damit, dass sie den Blutdruck oder den Blutzucker senken. Zweitens werden sie vor dem Verkauf nicht so streng geprüft wie Arzneimittel. Laut IQWiG müssen sie beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) angezeigt werden, die Verantwortung für die Sicherheit liegt aber beim Hersteller.

Braucht man Nahrungsergänzungsmittel überhaupt?

Für die meisten Menschen lautet die Antwort: eher nicht. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Milchprodukten und gelegentlich Fisch liefert in der Regel alle Nährstoffe, die ein gesunder Erwachsener braucht. Das IQWiG weist darauf hin, dass eine vorübergehende Einnahme vor allem dann sinnvoll sein kann, wenn ein konkreter Mangel ausgeglichen werden soll.

Auch das US-amerikanische National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH) mahnt zu realistischen Erwartungen. Multivitaminpräparate richten nach seiner Einschätzung zwar selten Schaden an, die Forschung zeige aber nicht, dass sie das Leben verlängern oder das Risiko großer Erkrankungen deutlich senken.

Für wen sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

Es gibt Gruppen, für die Fachgesellschaften und Behörden in Deutschland eine Ergänzung ausdrücklich empfehlen. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten zusammen. Sie ersetzt keine persönliche Beratung, denn der Bedarf hängt von Ernährung, Gesundheit und Medikamenten ab.

Gruppe Nährstoff Übliche Empfehlung in Deutschland Hinweis
Frauen mit Kinderwunsch und in der frühen Schwangerschaft Folsäure 400 Mikrogramm täglich, mindestens vier Wochen vor der Empfängnis bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels Folsäure senkt laut NIH das Risiko bestimmter Fehlbildungen beim Kind.
Schwangere und Stillende Jod Ergänzung nach ärztlicher Rücksprache Bei Schilddrüsenerkrankungen vorher ärztlich abklären.
Menschen mit veganer Ernährung Vitamin B12 Dauerhafte Ergänzung B12 kommt praktisch nur in tierischen Lebensmitteln vor.
Menschen, die selten draußen sind, und ältere Menschen Vitamin D Ergänzung, wenn die Bildung über Sonnenlicht nicht ausreicht Die DGE nennt 20 Mikrogramm pro Tag als Schätzwert ohne eigene Bildung in der Haut.
Menschen, die kaum Fisch essen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA Fisch bevorzugen, sonst Fisch- oder Algenöl Die EFSA nennt 250 Milligramm EPA und DHA pro Tag als angemessene Zufuhr.

Wie du deinen Bedarf an Omega-3-Fettsäuren über Lebensmittel deckst, erklären wir im Artikel Omega-3-Fettsäuren: Bedarf, Lebensmittel und EPA/DHA.

Wie viel ist zu viel?

Laut IQWiG gibt es in Deutschland keine gesetzlichen Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. Das Bundesinstitut für Risikobewertung veröffentlicht aber Empfehlungen, an denen sich viele Hersteller orientieren. Wer mehrere Präparate gleichzeitig nimmt, sollte die Mengen addieren, denn dieselben Nährstoffe stecken oft in verschiedenen Produkten.

Besonders bei fettlöslichen Vitaminen ist Vorsicht geboten, weil der Körper Überschüsse speichert. Das NIH Office of Dietary Supplements warnt, dass zu viel Vitamin A die Leber schädigen, die Knochen schwächen und Fehlbildungen verursachen kann. Zu viel Eisen kann Übelkeit und Erbrechen auslösen. Das IQWiG nennt außerdem Hinweise darauf, dass eine langfristige hochdosierte Einnahme von Vitamin A, Vitamin E oder Betacarotin das Risiko für bestimmte Erkrankungen erhöhen kann.

Wie liest du das Etikett und die Werbeaussagen richtig?

Auf jedem Nahrungsergänzungsmittel müssen laut IQWiG die enthaltenen Nährstoffe mit ihren Mengen, die empfohlene Tagesdosis, ein Hinweis, diese nicht zu überschreiten, ein Hinweis, dass das Produkt keine ausgewogene Ernährung ersetzt, und ein Warnhinweis zur Aufbewahrung außerhalb der Reichweite von Kindern stehen. Bei Vitaminen und Mineralstoffen findest du zusätzlich den Anteil an der Referenzmenge in Prozent, abgekürzt als NRV.

Werbeaussagen sind streng geregelt. Erlaubt sind nur gesundheitsbezogene Angaben, die im EU-Register zugelassen sind, und auch nur dann, wenn das Produkt die nötige Menge des Nährstoffs enthält. Bei Vitaminen und Mineralstoffen sind das mindestens 15 Prozent der Referenzmenge pro Tagesportion. Die Angaben folgen einem festen Muster, zum Beispiel: Vitamin D trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei. Formulierungen wie „stärkt die Abwehrkräfte“ oder „entschlackt“ sind nicht zugelassen. Das IQWiG weist darauf hin, dass allgemeine Werbeaussagen meist nicht belegt sind.

Wie sieht das konkret bei zwei LR-Produkten aus?

Ein Beispiel für ein Vitaminpräparat ist Vita Active Rote Früchte. Eine Tagesportion von 5 Millilitern liefert nach Herstellerangaben unter anderem 10 Mikrogramm Vitamin D, 2,5 Mikrogramm Vitamin B12 und 200 Mikrogramm Folsäure. Damit gilt: Vitamin D trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei, und Vitamin B12 trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei. Für Frauen mit Kinderwunsch liegt die Folsäuremenge allerdings unter den empfohlenen 400 Mikrogramm, hier ist ein eigenes Folsäurepräparat die bessere Wahl.

Für Menschen, die wenig Fisch essen, gibt es die Super Omega Kapseln. Drei Kapseln liefern nach Herstellerangaben 630 Milligramm EPA und 420 Milligramm DHA. Damit gilt: EPA und DHA tragen zu einer normalen Herzfunktion bei, und DHA trägt zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion bei. Einen Überblick über alle Präparate gibt die Kategorie Nahrungsergänzung.

Wann solltest du ärztlichen Rat einholen?

Sprich mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke, bevor du ein Nahrungsergänzungsmittel nimmst, wenn du regelmäßig Medikamente einnimmst. Das NIH Office of Dietary Supplements nennt Beispiele für Wechselwirkungen: Vitamin K kann die Wirkung des Blutverdünners Warfarin abschwächen, und Johanniskraut beschleunigt den Abbau vieler Medikamente, darunter die Antibabypille. Vor Operationen solltest du alle Präparate angeben, weil manche das Blutungsrisiko erhöhen.

Besondere Vorsicht gilt in Schwangerschaft und Stillzeit und bei Kindern, denen du Präparate nur auf ärztlichen Rat geben solltest. Wenn du dauerhaft müde bist, ungewollt abnimmst oder andere anhaltende Beschwerden hast, lass die Ursache abklären, statt auf eigene Faust Präparate zu nehmen. Ein Mangel lässt sich nur durch eine Untersuchung sicher feststellen.

Wer sich besonders für das Immunsystem in der kalten Jahreszeit interessiert, findet mehr dazu in unserem Beitrag Was Ernährung im Winter leisten kann.

Häufige Fragen

Sind Nahrungsergänzungsmittel Medikamente?

Nein. In Deutschland gelten sie als Lebensmittel. Sie dürfen nicht mit einer Heilwirkung beworben werden und werden nicht wie Arzneimittel zugelassen.

Ist „natürlich“ gleich sicher?

Nein. Das NCCIH betont, dass „natürlich“ nicht automatisch „sicher“ bedeutet. Auch pflanzliche Präparate können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben.

Woran erkenne ich ein seriöses Produkt?

Ein seriöses Produkt nennt alle Inhaltsstoffe mit Mengen, verwendet nur zugelassene Werbeaussagen und gibt einen Hersteller mit Adresse in der EU an. Versprechen, Krankheiten zu behandeln oder schnell Gewicht zu verlieren, sind ein Warnsignal.

Kann ich mehrere Präparate gleichzeitig nehmen?

Das ist möglich, aber du solltest die Mengen der einzelnen Nährstoffe addieren. So vermeidest du, dass du denselben Nährstoff mehrfach und in zu hoher Menge aufnimmst.

Wie lange sollte ich ein Nahrungsergänzungsmittel nehmen?

Das hängt vom Grund ab. Folsäure nimmst du für einen begrenzten Zeitraum rund um die Schwangerschaft, Vitamin B12 bei veganer Ernährung dauerhaft. Bei anderen Präparaten ist es sinnvoll, den Bedarf regelmäßig zu überprüfen.

Quellen

Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel und ersetzen keine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung und gesunde Lebensweise. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ist keine medizinische Beratung.

Autorin: Nikoleta Genova, unabhängige LR-Partnerin seit 2022 und Pädagogin, schreibt über Pflege im Alltag und Familienroutinen. Zuletzt geprüft: 29.10.2026.

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Wichtiger Hinweis: Die auf dieser Website vorgestellten Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel. Sie sind nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu erkennen, zu behandeln, zu heilen oder ihnen vorzubeugen, und ersetzen keine ärztliche Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Die angegebene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Bei Schwangerschaft, Stillzeit, Erkrankungen oder der Einnahme von Medikamenten sprich vorher mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke.